Warum Prophylaxe so wichtig ist (Experten-Interview mit Sylvia Fresmann)

Sylvia Fresmann ist Geschäftsführerin von ParoStatus.de, einem innovativen Qualitätskonzept für moderne Prophylaxe. Sie weiß genau, worauf es ankommt und welche Fehler immer wieder gemacht werden.

Frau Fresmann erzählt von einem Fall, bei dem die Patientin Petra den Zahnarzt gewechselt hat und nun zum ersten Mal in die neue Praxis kam. Bisher hatte ihr Zahnarzt immer gesagt, dass alles in Ordnung sei. Ab und an hatte sie eine leichte Entzündung des Zahnfleisches, mehr aber auch nicht. So dachte sie...

Der neue Zahnarzt machte ein anfängliche Bestandsaufnahme und einige Untersuchungen, um ganz genau zu schauen, ob wirklich alles in Ordnung ist. Der Befund war eindeutig: Schwere Parodontitis. So stark, dass diese mittlerweile auch die Kieferknochen angegriffen hatte. Wenn hier nicht richtig behandelt wird, hat dies eine Lockerung der Zähne zur Folge bis hin zum kompletten Verlust der Zähne.

Petra war geschockt. Hatte sie doch immer auch eine professionelle Zahnreinigung machen lassen. Die sie sogar aus eigener Tasche zahlen musste. Und trotzdem hat ihr alter Zahnarzt die schwere Parodontose einfach nicht erkannt. Und entsprechend auch nicht behandelt.


Eine schlechte Mundgesundheit kann Sie krank machen

Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass mangelnde Mundgesundheit sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken kann. Es kann sogar ganze Krankheiten entstehen lassen. Lassen Sie sich also nicht davon blenden, wenn ein Zahnarzt nur eine professionelle Zahnreinigung macht und die „Vorsorge“ damit abschließt. Eine Prophylaxe ist immer individuell und vor allem aber ganzheitlich auf den Patienten zugeschnitten.

Wir haben der Expertin Sylvia Fresmann einige Fragen gestellt zu diesem Thema und einige sehr interessante Antworten erhalten:


Wie können durch Prophylaxe Gesundheitsrisiken erkannt und Krankheiten verhindert werden?

„Wenn wir Krankheiten wie Parodontitis und Karies vermeiden wollen, müssen wir die Risikofaktoren für jeden Patienten individuell erheben, bewerten und dokumentieren. Eine professionelle Prophylaxesitzung beginnt mit der umfassenden Anamnese. Hier fragen wir auch nach dem Putzverhalten, nach Ernährungsgewohnheiten, Medikamenten, Alkohol- und Nikotinkonsum, oder Erkrankungen. Ganz wichtig sind Befunde, wie das Messen der Taschentiefe an jedem einzelnen Zahn. Nur so kann das Ausmaß möglicher Krankheiten erkannt werden – und eine rechtzeitige Behandlung ist möglich. Klinische Parameter und die zuvor genannten Risikofaktoren sind die Grundlage für die individuelle Einschätzung des Erkrankungsrisikos des Patienten. Auf der Basis dieser Befunde werden Therapie und Behandlung individuell festgelegt.“


Warum ist Prophylaxe in der Zahnarztpraxis nicht gleich Prophylaxe?

„Prophylaxesitzungen werden in den Zahnarztpraxen häufig sehr unterschiedlich durchgeführt und organisiert. Die Preise unterscheiden sich ebenfalls sehr stark. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Erwartungshaltung der Patienten. Schaut man genauer hin, stellt man sehr schnell fest, dass Behandlungsdauer, einzelne Behandlungsschritte, verwendete Materialien und die Qualifikation der Behandlerinnen von Praxis zu Praxis stark differieren. In der Regel dauert eine professionelle Prophylaxesitzung 60 bis 90 Minuten.“


Wie kann es zu unterschiedlichen Qualifikationen in den Praxen kommen?

„Zahnärztekammern und deren Fortbildungsinstitute bieten diesbezüglich gute theoretische und praktische Unterstützung in Form von Kursen und Seminaren. Viele Praxen haben jedoch Schwierigkeiten bei der konkreten praktischen Umsetzung. Qualifiziertes Personal  – wie eine DH (Dentalhygienikerin) oder eine ZMP (Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin) ist häufig schwierig zu finden. Deshalb setzen einige Praxen auf kurze Schulungen, gerne auch mal an einem Nachmittag, um eine Zahnarzthelferin für die Prophylaxe zu qualifizieren. Leider fehlen dann häufig das theoretische Hintergrundwissen und die praktische Erfahrung. So können hochwertige Gesundheitskonzepte für den Patienten nicht umgesetzt werden“.


Welche Gefahren gehen von einer Parodontitis aus?

„Wenn Patienten unregelmäßig oder selten die Zahnarztpraxis aufsuchen, bleiben Parodontalerkrankungen oft lange Zeit unentdeckt. Schmerzen treten zunächst nicht auf und gelegentliches Zahnfleischbluten wird aus Unkenntnis der Zusammenhänge toleriert. Wird die Parodontitis nicht erkannt, führt sie in letzter Konsequenz zu Zahn- und Implantatverlusten. Zudem haben die chronisch bakteriellen Entzündungen gravierende Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit. Die Risiken für beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rheuma können erheblich steigen!“


Welche Patienten sind denn besonders von einer Parodontitis betroffen?

„Der letzten Deutschen Gesundheitsstudie zufolge sind fast 75% aller 35- bis 44-Jährigen von einer mittelschweren bzw. schweren Parodontitis betroffen. Auch wenn mit steigendem Alter das Erkrankungsrisiko noch zunimmt, handelt es sich bei dieser Erkrankung keineswegs um eine zwangsläufige Folge des Älterwerdens. Vielmehr begünstigen z.B. Rauchen, Stress, unzureichende Mundhygiene und systemische Erkrankungen diese ernst zu nehmende Krankheit. Hinzu kommen häufig anzutreffende altersspezifische Problemstellungen, wie freiliegende Zahnhälse, oder Zahnhalskaries.“


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